Venus im Kleid

Momentan haben wir eine Phase einer sehr guten Venussichtbarkeit. Das heißt, Venus ist nicht nur (visuell) vergleichsweise weit von der Sonne entfernt (Elongation), sondern steht auch deutlich höher als die Sonne. Damit ist sie auch noch längere Zeit nach Sonnenuntergang strahlend hell am Himmel zu sehen.

Die Venus ist von der Sonne aus gesehen der zweite Planet und bei einem Durchmesser von ca. 12.100 Kilometern hat sie praktisch die gleiche Größe wie die Erde. Völlig unterschiedlich ist allerdings die Atmosphäre, denn diese besteht zu 96 % aus Kohlendioxid. Die gesamte Venus ist vollständig mit Wolken bedeckt, so dass sie von der Erde aus visuell zwar eine schöne Phasenform (momentan fast wie ein kleiner Halbmond), aber keinerlei Oberflächendetails erkennen lässt, sondern nur ein strahlendes Weiß zeigt. Details der Oberfläche lassen sich nur mit Raumsonden erkunden, die entweder auf der Venus landen oder die Oberfläche mit Radar abtasten.

Dennoch gibt es auch für Hobbyastronomen eine Möglichkeit, zumindest Details in der Wolkenstruktur der Venus festzuhalten. Im UV-Bereich um etwa 350nm zeigen sich nämlich Helligkeitsunterschiede in den Wolkenstrukturen. Natürlich sind die menschlichen Augen in diesem Bereich blind, so dass man mit Kameras, die im UV-Bereich empfindlich genug sind, arbeiten muss. Hierfür eignen sich die meisten monochromen Planetenkameras. Farbkameras scheiden in diesem Fall aus, weil die vorgesetzen RGB-Farbfilter der Bayermatrix das UV-Licht sperren.

Und man benötigt natürlich einen Filter vor der Kamera, der für das UV-Licht in diesem Bereich durchlässig ist, aber das gesamte restliche Licht aussperrt!

Die ansonsten verbreiteten Interferenzfilter scheiden an dieser Stelle ebenfalls leider aus. Zwischen zwei verspiegelten Schichten läuft das Licht hier vielfach reflektiert hin und her, ehe ein nennenswerter Teil austreten kann. Dies gelingt nur für Licht einer bestimmten Wellenlänge, da sich andere Wellenlängen durch Interferenz auslöschen (daher der Name). Der Abstand der beiden Schichten ist ein ganzzahliges Vielfaches der durchgelassenen Wellenlänge. Aus diesem Grunde ist aber ein Interferenzfilter für 350nm genauso auch bei 700nm durchlässig (im tiefroten bzw. fast infraroten Bereich). Dieses zusätzliche (und starke) durchgelassene Licht verwischt aber bereits wieder sämtliche Kontraste.

Von der Firma Baader gibt es jedoch seit einiger Zeit UV-Filter mit mehrfacher dielektrischer Beschichtung, die ausschließlich für einen schmalen UV-Bereich durchlässig sind und damit die schwachen Kontraste hervorheben können (‚Venus-Filter‘).

Ich habe meine Aufnahmen mit einem 5″-ED-Refraktor gemacht (ED-Apo mit FPL53-Glas). Besser geeignet wäre ein Newton-Spiegelteleskop, da auch Glas das UV-Licht bedämpft, aber bei der hellen Venus reichte die Transmission immer noch gut aus. Eine DMK-Kamera (DMK21AU04) mit UV-Filter und 2fach-Barlow vervollständigte den Aufbau.

Die helle Venus konnte bereits mit bloßem Auge gegen 15:00 Uhr erspäht werden (wenn man wusste, wo man hinschauen musste). Ich habe dazu das Teleskop blind aligned (immer nur mit OK bestätigt) und es anschließend zum Mond ‚gefahren‘. Hierauf habe ich dann exakt synchronisiert und dann auf Venus positionieren lassen, die anschließend direkt im Blickfeld war. Genau über das Teleskop hinweg konnte ich Venus dann auch sofort mit bloßem Auge erkennen.

Gegen 15:30 Uhr (also noch am Taghimmel) war dann alles eingerichtet und ich habe ein Video mit rund 1.000 frames von Venus aufgenommen (mittels FireCapture und bei effektiv 1.800mm Brennweite). Dieses wurde anschließend mit Autostakkert gestacked (dreifach gedrizzled) und in Photoshop noch etwas geschärft und kontrastbetont. Man erkennt jetzt gut größere Strukturen in den Wolken der Venus.

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Schon seit längerem gibt es übrigens Theorien, dass die dunkleren Stellen in den Wolken durch Bakterien verursacht werden (siehe z.B. hier)

Technische Anmerkung : Venus erscheint momentan 25 Bogensekunden groß. Bei einer Brennweite von 1.800mm wird sie auf dem Chip der DMK mit rund 35 Pixeln Größe abgebildet. Damit ist die Auflösung ca. 0.75″ / Pixel, was bei den schwachen Strukturen gerade noch ausreichend ist. Falls es das Wetter in den nächsten Tagen gestattet, werde ich versuchen, die Aufnahme mit dem C9 und einer 2x-Barlow (und damit 4.700mm Brennweite) zu wiederholen.

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