Nächste Ausfahrt Hofheim

Meine Astrofreunde wissen, dass ich seit einiger Zeit mein Astroequipment nach Möglichkeiten verkleinere. Nicht etwa, dass ich alles verkaufen würde – die Zahl der gekauften und wieder verkauften Teleskope in meinem Leben ist bereits Legion – aber portables und (!) gutes Reiseequipment wird mir immer wichtiger.

Einer der Gründe hierfür mag sein, dass immer mehr meiner schönsten Aufnahmen nicht mehr zu Hause unter dem Bonner Stadthimmel entstehen, sondern im Urlaub oder an meinen Lieblings-Beobachtungsplätzen in der Eifel, wo die Milchstraße nicht nur ein kaum zu ahnender Schleier am Himmel sondern ein deutlich ausgeprägtes helles Band mit Aus- und Einbuchtungen, dunklen Stellen oder ins Auge springenden Sternhaufen ist.

Selbst mein schönes Paar aus einem Celestron C9-Teleskop und einer Celestron AS-GT-Montierung, die beide noch gut in mein Auto passen und für ich die zwei gepolsterte komfortable Geoptik-Tragetaschen habe, sind seit anderthalb Jahren nicht mehr zum Einsatz gekommen.

Der Auslöser war seinerzeit meine dritte Reisemontierung, die ich erworben hatte. Die erste war ein Vixen Photo Guider GP2, eine hervorragende und zuverlässige Reisemontierung, aber vergleichsweise viel zu schwer, weshalb ich sie nach einiger Zeit wieder abgegeben habe. Auf die Vixen Montierung folgte der iOptron Startracker, ebenfalls eine schöne und gute Reisemontierung mit sehr genauer Nachführung und leicht dazu! Zahlreiche schöne Aufnahmen sind mit dieser Montierung entstanden, aber sie war eben nur für die Nachführung eines Fotoapparats geeignet. Ein Teleskop darauf zu montieren – und sei es auch nur ein kleines – war fast nicht möglich, weil es die Leistungsgrenzen dieser Montierung überschritt. Ich musste also immer noch eine weitere kleine Montierung (meistens den iOptron Cube Pro) dabei haben, wenn ich visuell mit Nachführung beobachten wollte.

Die Bühne betritt der Star Adventurer!  Seit ich ihn habe, stellt dieses Gerät für mich die ideale Reisemontierung dar. Bei geringem Gewicht und hoher Stabilität kann man damit hervorragende gut nachgeführte Fotos machen und andererseits aber auch schnell ein ED80 oder einen kleinen Mak darauf packen.

Mit diesem Equipment bin ich auf Reisen immer sehr gut bedient. Dennoch hätte ich des öfteren gerne auch einmal das Lichtsammelvermögen meines C9 vor Ort zur Verfügung gehabt. Das aber hieß dann eben zwei große und schwere Tragetaschen, ein schweres Akkupack, Gegengewichte usw. dabei zu haben. Und genau davon wollte ich ja weg kommen….

Und exakt diesen Spagat zwischen Lichtstärke auf der einen Seite und geringem Volumen und Gewicht auf der anderen Seite habe ich jetzt mit meinem neuesten Teleskop geschafft. Nach drei Monaten (!) Wartezeit erreichte mich vorgestern ein großes Paket aus Hofheim – mein 8″ Hofheim Reisedobson. Schon lange hatte ich damit geliebäugelt und mir nun diesen Traum erfüllt: ein komplettes 8″-Spiegelteleskop in Dobson-Ausführung mit unter 8kg Gesamtgewicht und das Ganze in einem Köfferchen von etwa 30cm x 30cm x 20cm Abmessung (und damit auch etwa in einem Flugzeug problemlos bordgepäcktauglich).

Gut verpackt und gepolstert in einem viel größeren Paket stand dann nach dem Öffnen des Pudels, will sagen des Pakets Kern vor mir:

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Auch hier noch schnell die Luftpolsterfolie entfernt und schon habe ich die gesamte Konfiguration reisefertig vor mir – der stabile kleine Holzkoffer, in dem sich alles Nötige befindet:

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Auch wenn der Himmel draußen wie fast üblich wolkenverhangen ist, will ich natürlich nicht bis zu den nächsten clear skies warten, ehe das Teleskop das erste Mal aufgebaut wird. Mit Hilfe der gut verständlichen Anleitung war der gesamte Zusammenbau in 15min erledigt. Je öfter man so etwas einmal gemacht hat, desto schneller wird es natürlich gehen und zukünftig dürfte der Zusammenbau vor Ort in 5min erfolgt sein.

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Es macht richtig Spaß, sich die einzelnen Teile aus der Nähe anzuschauen. Der achteckige Hut mit seinen über 135° verzinkten Elementen ist ein kleines Meisterwerk an schreinerischer Arbeit. Und so geht es weiter – man entdeckt immer neue Details, die auf viel Überlegung während der Konzeption und Entwicklung schließen lassen und gleichzeitig viele Praxiserfahrungen berücksichtig haben.

Auch wenn noch keine Beobachtung möglich war, so habe ich doch zumindest die Kollimation überprüft und nach der langen Reise bis zu mir neu eingestellt. Die Einstellschrauben dafür sind auf der Unterseite der Spiegelbox angebracht, was aber aufgrund der kurzen Bauweise (es handelt sich um ein f/4-Teleskop) kein Problem darstellt und gut zu handhaben ist.

Der OAZ ist für 2″-Okulare ausgelegt, so dass auch gute Weitwinkelokulare verwendet werden können und ich denke, dass mein Lieblingsokular, ein Televue Panoptic mit 22mm gut dazu passen wird.

Aber das wird die Zukunft bzw. der nächste klare Himmel zeigen und darüber wird ein andermal an dieser Stelle berichtet.

2 Comments
  1. Hallo Peter.

    Interessanter Bericht. Gerade der Reisedobson macht mich neugierig.Er wäre das ideale Instrument für meine zweite Heimat, die Korsischen Berge. Auf Dein „First light“ bin ich sehr gespannt.

    Liebe Grüße.
    Jörg Bartholomäus

  2. Auch ich bin glücklicher Besitzer eine achtzöllers von Hofheim Instruments, es ist wirklich das leichteste 200mm Newton und ect leicht zusammen zu bauen – ganz ohne Werkzeug.
    Da es sich um ein Winzling handelt, ist es bequemer, es um ca 60 cm höher zu stellen, dafür habe ich ein mordsstabiles Alustativ (für das Tragen von Geodesie-Geräten) umfunktioniert, mit einer Holzplatte obendrauf mit drei Löchern für die drei Füsslein der Hofheim „Rockerbox“, so muss man sich nicht mehr verrenken.
    Marc Champollion, Freiburg

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