Marsbeobachtung mit Hindernissen

Wie viele andere in Deutschland auch leide ich hier im Köln-Bonner-Raum seit Wochen unter zu schlechtem Wetter, um wirklich ernsthafte astronomische Beobachtungen durchzuführen.

Nun begab es sich aber zu der Zeit, dass an einem Abend der vergangen Woche der Himmel überraschend klar war, so dass ich kurz entschlossen den Plan fasste, Mars und Saturn zu beobachten.Natürlich sind bei Planeten resp. Oppositionen im Sommer aufgrund der geringen Deklinationshöhe gegen Mitternacht (dafür steht die Sonne tagsüber ja auch umso höher) keine besonderen Bedingungen zu erwarten. Aber da ich in dieser Beobachtungsperiode beide Planeten noch nicht vernünftig beobachten konnte, wollte ich die Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Nun ist es aber so, dass meine Sternwarte mit ihrem Rolldach erst Blicke ab ca. 20° Höhe über dem Horizont zulässt und beide Planeten würden in dieser Nacht lediglich etwas über 18° Höhe erreichen. Aus diesem Grunde wurde Reiseequipment genutzt: mein kleiner 4″-Maksutov kam zwar nicht auf eine Reisemontierung, sondern auf die Celestron AS-GT-Montierung. Mich hatte zwar in der Zwischenzeit die Nachricht eines Kölner Astrofreundes erreicht, dass dort bereits Gewitter zugange waren. Auch Richtung Norden waren hier rund 40% des Himmels wolkenverhangen, aber Richtung Süden war glücklicherweise noch alles frei.

Schnell war alles aufgebaut, eingerichtet und Mars in Südrichtung in einer Lücke zwischen größeren Bäumen entdeckt. Der erste Blick durch das Okular war allerdings ziemlich ernüchternd. Es waren visuell buchstäblich keine Details zu erkennen. Normalerweise wäre das allein schon Grund genug gewesen, die Aktion abzubrechen und sich zu sagen „Heute eben nicht!“. Aber nach der erwähnten Beobachtungsabstinenz gibt man sich halt auch mit viel weniger zufrieden. Und so habe ich dann sogar noch die kleine ASI 120MC-Kamera mit 2fach-Barlow an den Maksutov angeschlossen.

Nach 100 Sekunden Belichtung und 6000 Einzelframes später war ein kleines Video aufgenommen, dem noch drei weitere folgten. Da Saturn erst etwas über eine halbe Stunde später für mich sichtbar werden würde, nutzte ich die Zeit zu einer ersten Verarbeitung.

Das Video wurde zuerst beschnitten, dann mit einer Verwendungsrate von 25% der Einzelbilder gestackt und geschärft. Außerdem wurde noch der Regenbogeneffekt der atmosphärischen Dispersion entfernt – bei dem niedrigen Planetenstand war dies auch dringend nötig. Durch die vielen verwendeten Einzelbilder konnte man immerhin noch einige wenige Details auf der Marsoberfläche erkennen, so dass die Mühe nicht ganz umsonst gewesen war.

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Als sich mein Blick hob und ich mich dann Saturn zuwenden wollte, musste ich feststellen, dass mittlerweile auch im Süden Wolken aufgezogen waren, so dass die in Folge geplante Saturnbeobachtung leider ausfiel.

Schon während der Marsaufnahmen hatten mich zahlreiche Mücken gestört und belästigt. Am anderen Morgen konnte ich dann – während es draußen bereits wieder heftig regnete –  feststellen, dass ich die Marsaufnahmen mit insgesamt 14 (!) Mückenstichen bezahlt habe. Vielleicht war es ja doch ganz gut gewesen, dass Saturn nicht mehr zu sehen gewesen war…

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