Bis zur Unendlichkeit….

…und noch viel, viel weiter!

Wer erinnert sich nicht an den wunderschönen Film Toy Story von Disney (übrigens der erste vollständig am Computer produzierte Kinofilm), in dem der sympathische Space Ranger Buzz Lightyear eine Hauptrolle spielte und immer wieder mit diesem Spruch glänzte. Nicht ganz so weit aber doch ziemlich weit kann man nun mit der neuen Kamera Infinity von Atik ins Weltall schauen.

Wer mich kennt weiß ganz genau, dass mein Hauptinteresse im Hobby Astronomie mittlerweile dem Bereich der Videoastronomie gilt. Das ganze gilt eigentlich schon seit dreißig Jahren, aber erst in den letzten gut fünf Jahren sind zahlreiche Kameras auf den Markt gekommen, die bei zwar vergleichsweise niedriger Auflösung (normale PAL-Fernsehauflösung also mit 720×512 Bildpunkten) über eine extrem hohe Lichtempfindlichkeit verfügen und durch spezielle Techniken in der Lage sind, das beobachtete Objekt quasi sofort auf einem Videomonitor darzustellen. Nicht nur für größere Besuchergruppen ist eine solche Technik hervorragend geeignet, sondern auch ich selbst genieße es mit vergleichsweise geringem Aufwand die wunderschönen Objekte aus dem All in einer ruhigen Nacht sofort in Farbe auf dem Bildschirm genießen zu können.

Die Atik Infinity wirbt nun ebenfalls mit dem Schlagwort der Video-Astronomie, obwohl sie kein direktes Videosignal liefert, sondern ganz herkömmlich via USB an einen PC angeschlossen wird und sogar noch eine eigene zusätzliche 12V-Stromversorgung benötigt. Was ist nun an dieser Kamera so besonders, dass ich mich vor knapp zwei Wochen entschlossen habe, sie in mein Inventar aufzunehmen?

  1. Die Infinity verfügt dank des Sony CCD-Chips  ICX825 über eine hervorragende Lichtempfindlichkeit.
  2. Die Pixelgröße von 6.45 µm und die Chipdiagonale von 11mm machen die Kamera für viele Einsatzbereiche geeignet
  3. Die Auflösung von ca. 1.400 x 1.000 Pixel bietet rund die vierfache Pixelmenge einer herkömmlichen Videoastronomie-Kamera wie einer MallinCam oder des Revolution Imagers
  4. Das Bildsignal mit 16Bit lässt viel Raum für die folgende Bearbeitungskette

Bis hierhin könnte und kann man die Infinity durchaus und mit Erfolg wie eine normale CCD-Astrokamera nutzen. Der eigentliche Clou kommt aber durch die dazugehörige Infinity-Software, die mit folgenden Leistungsmerkmalen glänzt:

  1. Livestacking der einzelnen Aufnahmen (so wie es vor einigen Jahren etwa schon die Meade DSI-III Kameras mit der Software Envisage konnten). Der Nutzer muss sich hierbei um kein Guiding oder ähnliches kümmern. Solange die Einzelaufnahmen gut geworden sind (was bei üblichen Belichtungszeiten von üblicherweise 1 bis 8 Sekunden problemlos auch mit einfacheren Montierungen der Fall ist) richtet die Infinity-SW die Aufnahmen kontinuierlich zueinander aus und überlagert sie. Sogar Bildfelddrehungen werden berücksichtigt und damit können auch Dobsons (in gewissem Rahmen) oder Teleskope auf Alt/Az-Montierungen eingesetzt werden.
  2. Durch das Livestacking werden einerseits das Rauschen im Bild immer weiter reduziert und andererseits auch schwache Bilddetails immer deutlicher zu erkennen.

Besonders schön ist auch, dass bereits während der Aufnahme grundlegende Parameter etwas angepasst werden, was gerade bei mir unter dem hellen Bonner Sternenhimmel sehr hilfreich ist um auch schwache Objekte durch stärkere Kontraste und dunkleren Hintergrund gut darzustellen.

Die ersten beiden Testaufnahmen, die ich mit dieser Kamera gemacht habe, waren natürlich die üblichen Verdächtigen: M57 und M27 (die Einzelframes wurden je 2 sec belichtet, die Abbildungen bestehen aus 20 live gestackten Einzelframes):

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Als Test habe ich dann auch noch auf den Crescent-Nebel gehalten, den ich visuell hier in Bonn nicht einmal im Ansatz erkennen kann. Auf dem Bildschirm konnte man ihn nach zwei Sekunden zumindest erahnen:

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Zwei Tage später wollte ich dann als weiteren Test in den Grenzbereich dieser Kamera für noch-live-Darstellung vorstoßen und den schwachen Kometen C/2016-A8 (LINEAR), der derzeit nur noch über knapp 15mag verfügt, darstellen (wohlgemerkt nicht unter dunklem Alpenhimmel, sondern unter Stadthimmel und zusätzlich mit dem bereits aufgegangenen Dreiviertelmond ‚im Nacken‘). Hierfür wählte ich dann auch Belichtungszeiten von 8 Sekunden, wobei hier sogar 30 solcher Aufnahmen gestackt wurden.

Und der kleine Wattebausch war tatsächlich sofort gut zu erkennen, genauso wie seine recht zügige Bewegung!

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Zwei Ausschnitte aus zwei solchen Aufnahmen mit 5 Minuten Abstand wurden dann zu dieser Animation zusammengefügt:

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Insgesamt kann man sagen, dass ich mit der neuen Atik Infinity ausgesprochen zufrieden bin. Sie gestattet es wirklich, mit wenig Aufwand schnell ansprechende Bilder auf den Schirm zu zaubern, die man direkt auch Gruppen von Zuschauern präsentieren kann.

Die Installation war bei mir unter Win10 64Bit etwas holprig und das Programm lief auch erst richtig, nachdem ich mir von der Atik Homepage eine offensichtlich neuere SW-Version heruntergeladen hatte. Außerdem hat der innere Stromstecker der Infinity wohl einen geringeren Durchmesser als sonst üblich, so dass es bei größeren Kamerabewegungen durchaus einmal zu einem Wackelkontakt kommen kann (was übrigens nicht nur bei mir so auftritt).

Interessant beim der Aufnahme des Kometen C/2016-A8 war jedoch auch eine kleine Entdeckung so quasi nebenbei. Da es zu diesem Zeitpunkt kein GoTo-Objekt in direkter Nähe des Kometen gab, habe ich mich von M71 ausgehend sozusagen per Starhopping dahin vorgearbeitet (was mit dem Livebild auf dem Schirm wunderbar geht). Aber beim dritten Bild bin ich regelmäßig hängengeblieben, denn ich hatte zwei helle Sterne im Bildfeld, wo es eigentlich nur einen geben sollte (so dass ich jedesmal dachte, ich hätte mich sozusagen verirrt).

Erst dann wurde mir klar, dass ich doch genau richtig war, aber ein Stern nicht die erwartete Helligkeit aufwies, sondern drastisch heller war. Es handelte sich um den Stern TYC 1616-0269-1, dessen Helligkeit anstelle 11.3mag jetzt auf (geschätzt) 6.8mag angestiegen war (Hinweis: er lag helligkeitsmäßig zwischen HD188076 und SGE10 (im Umfeld dieses Sterns), worauf diese visuelle Schätzung beruht). In der nächsten Nacht war es hier leider bewölkt, aber ein Astrofreund (Nico Schmidt), der schon näher an der Eifel wohnt, baute extra seinen großen Dobson auf, konnte aber keinen so hellen Stern mehr in diesem Gebiet feststellen.

Es scheint sich somit um keine Nova, wie zuerst vermutet, sondern ’nur‘ um einen der ebenfalls seltenen star-flares gehandelt zu haben (dagegen spricht allerdings etwas die von mir festgestellte Sichtbarkeit von mindestens drei bis vier Stunden). Im nachhinein wäre es hierbei natürlich schön gewesen, die Helligkeitskurve kontinuierlich zu messen, aber leider habe ich nur eine Aufnahme davon gemacht.

Diese Aufnahme habe ich später von nova.astrometry.net ausmessen und eine .kmz-Datei erzeugen lassen. Diese .kmz-Datei kann wiederum Google Stars einlesen und als Overlay darstellen, so dass man im Wechsel mit dem gespeicherten Sternenhintergrund und dieser Aufnahme eine wunderbare Animation des heller gewordenen Sterns erhält:

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Natürlich werde ich an dieser Stelle zukünftig auch weiter von meinen Erfahrungen mit der neuen Atik Infinity berichten.

5 Comments
  1. Guten Abend,
    ich bin durch Ihren Bericht zur Atik Infinity sehr ermutigt diese Kamera anzuschaffen.
    Ich bin noch Anfänger und suche ein leichten unkomplizierten Einstieg in die Astrofotografie.
    Ich besitze eine Equ6 und einen Amp 107/700. Ich bin eigentlich Hobbyfotograf, seit Jahren.
    Mitlerweile bin ich im Ruhestand (61) und möchte den Himmel über uns gern kennenlernen und fotografieren.Ich besitze eine Vollformat Eos mit der ich am Teleskop schon Mondaufnahmen gemacht habe. Es ist zwar viel Geld aber es soll ja auch Spaß machen.
    Meine Frage, würden Sie mir diese Atik empfehlen?
    Mit freundlichen
    Grüßen
    Wolfgang

  2. hallo peter, auf der suche nach berichten über die atik infinity bin ich auf deinen blog gestossen, der sehr informativ ist. ich habe bisher nur visuell beobachtet (tak mewlon 210, toa 130, fc-100df, fs-60cb). meistens nehme ich den fs-60/355 huckepack zusätzlich zu meinen anderen teleskopen. wäre dieser kleine apochromat ausreichend für diese kamera? oder würdest du ihn für die grösseren apos verwenden? wäre in bezug auf den fs60 die S/W-kamera besser?

    • Hallo Markus! Wichtig ist primär die Lichtstärke des Teleskops. Der kleine fs-60/355 hat fast genau f/6. Das Bild ist damit genauso hell wie bei einem 12″er mit f/6 – du hast nur einen wesentlich größeren Bildausschnitt auf dem Chip. Ich nutze bei mir einen 50mm Sucher, an dem ich eine Minivideo-Kamera angeschlossen habe und sehe damit bereits alle größeren DeepSky-Objekte und Sterne bis mag16 (bei 2 Sek Belichtung). Du kannst also mit dem fs-60 wunderbar anfangen. Peter

  3. hallo peter, danke für deine antwort, da es zwei versionen der infinity gibt, wollte ich die unterschiede zwischen der color und der s/w herausfinden. ich konnte leider keine genaueren daten finden, nur dass die s/w empfindlicher sein soll. kannst du da mehr dazu sagen? paar s/w fotos konnte ich ihm netz finden. wahrscheinlich werde ich mir für den fs 60/355 eine 0,72 reducer (264mm brennweite f4,4) besorgen. lg markus

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