Auf dem Weg zum Merkurtransit

So langsam steigt die Vorfreude auf den Merkurtransit am 9. Mai 2016 und damit natürlich auch die Erfordernis, sich über das zu nutzende Equipment und den Beobachtungsort Gedanken zu machen.

Bei dem noch selteneren Venustransit vor vier Jahren hatte ich geeignetes Beobachtungsequipment und ausgesprochenes Glück gehabt, dass mein gewählter Beobachtungsort auf der Insel Rügen einer der wenigen Orte in Deutschland mit klarem Himmel an diesem Tag war (siehe auch meine damaligen Berichte).

Wo beobachten?

Ich möchte natürlich auch den kommenden Merkurtransit sehr gerne beobachten. Aus diesem Grunde werde ich auch nur bei ausgesprochen schönem Wetter an der öffentlichen Beobachtung der Volkssternwarte Bonn teilnehmen und ansonsten kurzfristig einen Ausweichort suchen und ggf. auch eine längere Strecke fahren.

Der Merkurtransit wird von ca. 13:00 Uhr bis 20:30 Uhr dauern, also vom Mittag bis zum Sonnenuntergang. Das bedeutet, man benötigt einen möglichst freien Blick von Süden bis Westen, den man in einer weiten Ebene, am Meer oder auf einem Berg finden kann.

Wie beobachten?

Es handelt sich bei der Beobachtung des Merkurtransits um keine Planetenbeobachtung, sondern um eine Sonnenbeobachtung!! Also vergesst NIEMALS einen ausreichenden Sonnenschutz für die Augen (SoFi-Brille), das Teleskop (Sonnenfilter) oder den Fotoapparat (selbstgebastelter Sonnenfilter).

Die einzige Ausnahme sind spezielle Sonnenteleskope (z.B. H-α), die solche Filter bereits eingebaut haben.

Bei der ausschließlichen Verwendung einer SoFi-Brille ist Merkur übrigens (siehe unten) zu klein, um ihn mit bloßem Auge vor der Sonne erkennen zu können!

Wie fotografieren?

Bei der Dauer des Merkurtransits von über sieben Stunden reicht ein normales Stativ kaum aus, es sei denn, man möchte sich auf gelegentliche Einzelaufnahmen beschränken.

Möchte man wie ich eine timelapse erstellen, so ist eine möglichst gute Nachtführung erforderlich, die auch auf solare Geschwindigkeit einstellbar ist. Ich werde hier wahrscheinlich meine schon oft bewährte Reisemontierung, den Star Adventurer verwenden.

Von der verwendeten Kamera hängt natürlich auch die Brennweite des zu nutzenden Teleskops ab, wenn man die Sonne möglichst formatfüllend abbilden möchte. Bei einer kleineren Abbildung der Sonne könnte Merkur, der letztendlich nicht viel mehr als ein Pünktchen ist, regelrecht untergehen.

Merkur wird zum Zeitprunkt des Transits eine Größe von etwa 12 Bogensekunden haben, die Sonne dagegen 1.900 Bogensekunden, was die Größenverhältnisse schon etwas verdeutlicht.

Ich werde voraussichtlich meine ASI 120MC nutzen, die 1.260×960 Pixel aufweist. Wenn ich hiermit die Sonne formatfüllend abbilde, ist Merkur immerhin noch 6 Pixel groß, also gerade noch zu erkennen.

image1

Die Abbildung zeigt diese Größenverhältnisse sehr anschaulich. Der blaue Kasten demonstriert den Aufnahmebereich der ASI120MC, auf den die Sonne fast genau passt. Der winzige Punkt am unteren Sonnenrand ist dann Merkur….

Viele Astronomieprogramme gestatten solche Berechnungen im Voraus. Ich arbeite für solche Aufgaben am liebsten mit SkySafari. Als zu verwendendes Teleskop wurde hier übrigens eines mit 400mm Brennweite eingesetzt. Das kann etwa ein Hα-Teleskop wie das Coronado PST sein oder ein passender ED80 (mit Sonnenfilter sein). Selbst ein einfacher Achromat reicht für solche Aufnahmen übrigens vollkommen aus, wenn man mit einem engbandigen Farbfilter (optimal: Solar-Continuum) arbeitet, der die Farbfehler eines Achromaten ausblendet. Und Farbe ist bei solchen Aufnahmen im Weißlicht sowieso nicht zu erwarten…

Bei einer Kamera mit Vollformat-Sensor ist allerdings bereits ein Teleskop der Größenordnung eines C9.25 angesagt, um die Sonne formatfüllend abzubilden.

Zusammenfassung:

  • Beobachtungsort klären (z.B. einer öffentlichen Beobachtung einer Volkssternwarte anschließen)
  • Für visuelle Beobachtung am Teleskop passenden Sonnenfilter bereitstellen
  • Für fotografische Aufnahmen festlegen, welche Kamera- / Teleskop-Kombination genutzt werden soll

Etwas hab‘ ich noch….

Ich persönlich möchte nicht nur Einzelaufnahmen erstellen, sondern eine ganze timelapse (Zeitraffer-Animation). Hierfür ist dann ein elektronischer programmierbarer Fernauslöser erforderlich, der in regelmäßigen Abständen die Kamera auslöst. Soll die fertige Animation des Merkurtransits zum Beispiel 30 Sekunden dauern, so müssen 450 Minuten (gleich 27.000 Sekunden auf 30 Sekunden oder (bei 25 Bildern pro Sekunde in der fertigen Animation) auf 30 x 25 = 750 Aufnahmen reduziert werden. Es muss also alle 27.000 / 750 = 36 Sekunden eine Aufnahme erfolgen.

Hierfür arbeitet man sinnvollerweise speziell bei Spiegelreflexkameras mit zusätzlichen externen Stromversorgungen!

Im Falle der erwähnten ASI 120MC dagegen werde ich nicht mit Einzelaufnahmen arbeiten, sondern mit einzelnen kurzen Videos, die hinterher gestackt und zu nachgeschärften Aufnahmen verrechnet werden.  In diesem Falle benötigt man zusätzlich einen Laptop, der ebenfalls über ein geeignetes Programm verfügen muss, zeitgesteuert Videosequenzen aufzuzeichnen. Diese Möglichkeit bietet zum Beispiel das bewährte Aufnahmeprogramm firecapture von Torsten Edelmann.

Viel Erfolg!

Und nun wünsche ich allen Interessierten bereits jetzt eine erfolgreiche Beobachtung des Merkurtransits. Und nicht vergessen „Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete“.

4 Comments
  1. Sehr schöner Artikel! Ich plane auch schon seit einiger Zeit, wobei ich bei der Ausrüstung nicht so viel Auswahl habe (DSLR im DX-Format und Mak 90/1250). Es wird mein zweiter Merkurtransit. Den ersten (2003) konnte ich wetterbedingt nicht in voller Länge beobachten. Ich wünsche dir einen klaren Himmel und viel Erfolg!

  2. Glückwunsch zum neuen Blog und danke für Deine Gedanken zum Merkurtansit! Ich werde das Ereignis wohl vom Drachenfelsplateau aus beobachten und filmen, wo ich mich wohl mit der Sternwarte Siebengebirge öffentlich versammle. Vielleicht dann auch videoastronomisch durch mein kleines h-alpha Teleskop bei eingesetzter TeleVue Powermate und auf meinem Star Adventurer. CS und allen viel Erfolg für den 9. Mai!

  3. Lieber Peter, ein Dankeschön für die prãziese Ausarbeitung, des Merkurtransits. Eventuell schau ich mir das Ereignis in Makkum an.

    Glückwunsch zu Deinem neuen Block.

  4. Pingback: Live-Blog zum Merkur-Transit vom 9. Mai 2016 | Skyweek Zwei Punkt Null

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.